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» Göttinnen » Von der Percht, den Bethen und anderen wilden Frauen: ein kleines Göttinnen-Lexikon

Kleines Göttinnen-Lexikon

Baba Jaga | Baubo & Sheela-na-Gig | die Bethen | Brigid | Demeter |
Freyja | Inanna | Isis | Maria | Ostara | Percht | Salige Frauen

Baba Jaga
Ursprünglich war die Baba, auch Großmütterchen oder Knochenmutter genannt, eine gute Fee bzw. Göttin. Doch als in Osteuropa das Christentum die alten Religionen besiegte, wurde diese Urmuttergestalt zu einer bösen, alten, hässlichen Hexe herabgewürdigt. Doch hinter dieser furchterregenden Gestalt verbirgt sich eine große Göttin: Baba Jaga, die fürchterlich und gefährlich ist, aber auch hilfreich und beschützend sein kann.

Baba Jaga, die russische Muttergöttin (baba heißt Großmutter) wohnt in einer Hütte auf Hühnerbeinen umgeben von einem Zaun, der aus gebleichten Menschenknochen gemacht ist. Auf jedem Zaunpfahl steckt ein Totenkopf. Zur Fortbewegung benutzt sie gerne einen Kessel oder Mörser, mit dem sie durch die Gegend fliegt. Es heißt auch, dass sie ab und zu Menschen verspeist und dass sie noch zwei Schwestern hat, die auch Baba Jaga heißen. Mit ihrer wilden und rauen, alles durchdringenden Art trennt sie die Spreu vom Weizen und macht alles Überflüssige dem Erdboden gleich. Baba Jaga hält dir den Spiegel vor und zeigt dir deine dunklen Stellen oder auch die Stellen, an denen du vielleicht schon abgestorben, tot bist. Das Licht des Totenschädels hilft dir, diese Bereiche auszuleuchten und neu zu beleben oder sie ganz zu verbrennen. Wer die Baba Jaga besucht, wird eventuell von ihr aufgefressen und wieder ausgespuckt, anschließend setzt sie deine Knochen neu zusammen. Vielleicht schenkt sie dir auch einen leuchtenden Totenschädel als Lampe, so wie in der Geschichte von der wunderschönen Wassilissa. Ein Besuch bei der Baba Jaga ist also eher nichts für zarte Seelen und schwache Nerven! Wenn du die Baba triffst, solltest du schon genau wissen, was du von ihr willst, und ihr ruhig, beherzt und respektvoll gegenübertreten. Zuviel Fragerei hat sie nicht gern; brave, folgsame Hausfrauen und gesegnete Kinder kann sie ebenfalls nicht leiden.

Die Geschichte von Baba Jaga und Wassilissa, der Wunderschönen
Eine Mutter gibt ihrer Tochter Wassilissa vor ihrem Tod ein Püppchen. Gerät die Tochter in Not, so soll sie dem Püppchen zu essen geben, dann erhält sie von ihm Hilfe und Rat. Die Stiefmutter und die beiden Stiefschwestern sind neidisch auf Wassilissa, weil diese immer schöner wird. Sie muss viel ertragen und hart arbeiten, doch die Puppe hilft ihr, alles zu bewältigen, da sie stets mit Essen versorgt wird.

Eines Tages im Herbst beim Spinnen richten es die Stiefmutter und die Stiefschwestern so ein, dass ihnen bei der Arbeit das Licht ausgeht. Wassilissa wird beauftragt, zur gefürchteten Hexe Baba Jaga in den Wald zu gehen, um Feuer zu holen. Die Augen des Püppchens leuchten ihr jedoch den Weg. Unterwegs trifft sie einen weißen Ritter (Sonnenaufgang), einen roten Ritter (rote Sonne) und einen schwarzen Ritter (finstere Nacht).

Wassilissa gelangt zur Baba Jaga, spricht sie mit Großmütterchen an und muss sich das Feuer mit Arbeit verdienen. Das Püppchen berät sie und hilft ihr, die aufgetragenen Arbeiten zu erledigen, so dass die Baba Jaga nichts auszusetzen hat. Die alte Frau erfährt von dem Mädchen, dass der Segen der toten Mutter ihr beistehe. Darauf entlässt sie das Mädchen und gibt ihr einen leuchtenden Schädel mit. Zu Hause wird sie vorerst freundlich empfangen, denn seit ihrem Weggang verlöscht jedes Feuer im Haus.

Doch der leuchtende Totenschädel verfolgt die Stiefmutter und die Stiefschwestern und versengt sie zu Asche. Mit Hilfe des Püppchens (Zauberkamm) wird Wassilissa zur besten Spinnerin und Weberin und heiratet den Zaren (war letzteres wirklich notwendig?).

Baubo & Sheela-na-Gig
Baubo ist eine Göttin aus der griechischen Antike. Sie ist die Göttin des Humors, des unbändigen Gelächters und der ordinären Witze. Sie reitet auf einer Sau. Das Schwein ist ein sehr altes Symbol für Gebären und Wiedergeburt (auch Freyja reitet auf einem Schwein). Baubo lehrt uns, wie wir mittels Witz, Respektlosigkeit und Unverschämtheit aus Depression und Trauer wieder zu Kraft und Lebenslust finden können. Schließlich hat sie mit ihren derben Witzen und ihrer un-bändigen Lebenslust auch die Göttin Demeter wieder glücklich gemacht!

Demeters Tochter Persephone wurde von Hades geraubt und in die Unterwelt entführt, da er keine Frau finden konnte, die freiwillig mit ihm in die Unterwelt ging. Demeter war voller Trauer und Schmerz - überall suchte sie ihre Tochter, doch konnte sie sie nirgends finden. Sie wütete, weinte, klagte, flehte um Gnade, doch nichts half. Schließlich wurde aus ihrer Trauer rasender Zorn und sie verfluchte alles, was fruchtbar auf der Erde war. "Stirb, stirb, stirb!" schrie sie, und von nun an wurden keine Kinder mehr geboren, kein Weizen gedieh, keine Knospe öffnete sich mehr - die Menschen und Tiere drohten zu verhungern. Die Erde selbst erstarb. Demeter saß am Brunnen und schrie den Namen ihrer Tochter hinein. Und hier tritt Baubo auf den Plan: Baubo ritt zu Demeter, tanzte wild, wackelte mit ihren Brüsten und erzählte ihr ein paar schmutzige Witze. Da sie ja keinen Mund hatte, ließ sie ihre Vagina sprechen: Sie hob ihr Kleid und grinste Demeter mit ihrer sprechenden Möse an, worauf Demeter durch den komischen Anblick dieser sprechenden Vagina endgültig aus ihrer Trauer und ihrem Zorn gerissen wurde, und sie lachte! Da saßen die beiden gemeinsam am Brunnenrand und lachten, dass ihnen die Bäuche wackelten (da wär ich auch gern dabeigewesen!), und sie lachten und lachten, dass es schließlich auch Hades zuviel wurde, und so ließ er Persephone wieder frei und sie kehrte zurück an die Oberfläche zu ihrer Mutter. Sie durfte zwar nicht das ganze Jahr über oben an der Erde bleiebn, denn Persephone hatte bereits Nahrung von der Unterwelt (ein paar Granatapfelkerne) gegessen und so durfte sie nur zwei Drittel des Jahres bei Demeter auf der Erde verbringen und ein Drittel in der Unterwelt - so lautete der Deal. Demeter erklärte sich damit einverstanden. Sie wurde wieder fröhlich und gewann ihre Lebenslust zurück und so wurden auch die Erde, die Menschen und die Tiere wieder fruchtbar und niemand musste verhungern.

Ich vermute, dass Baubo mit der irischen Sheela-na-gig verwandt, wenn nicht gar ident ist. Sheela-na-Gigs sind in England und Irland verbreitete Abbildungen (Steinritzungen oder Reliefs) weiblicher Figuren. Die Darstellungen der Sheela-na-gig zeigen eine nackte Frau, deren Gesicht übergroße, geöffnete Augen hat, einen winzigen Körper und deutlich sichtbaren weiblichen Geschlechtsorganen: Sheela-na-Gig hockt mit gespreizten Beinen und präsentiert ihre Vulva. In vielen Fällen hält diese kleine Figur mit ihren Händen ihre Schamlippen auseinander. Sheela-na-gig-Figuren gab es in vielen alten irischen Kirchen(!), die vor dem 16. Jahrhundert gebaut worden waren. Viele waren noch im 19. Jahrhundert vorhanden, aber die meisten wurden beschädigt oder ganz zerstört. Oft sind sie noch an Kirchen, in Burgen oder anderen bedeutsamen mittelalterlichen Gebäuden zu finden.

Sheela-na-Gig-Figuren galten als beschwörendes oder beschützendes Symbol für Glück, Fülle & Wohlstand. Die Vulva, der Eingang zur Gebärmutter, gilt in nahezu allen ursprünglichen Kulturen, teilweise bis heute, als machtvolles und beschwörendes Symbol.

Die Bethen
die drei Ewigen: Ambeth, Wilbeth & Borbeth

Im Königreich Noricum, dem ersten Staatsgebilde auf österreichischem Gebiet, wurden die Bethen als Nationalheilige und norische Muttergottheiten verehrt. Sie waren Schenkende des Lebens und der Gesundheit und galten auch als Beschützerinnen der Mütter und deren Kinder.

Die drei Bethen heißen Ambeth, Wilbeth und Borbeth. Sie bilden die göttliche Triade als Erd-, Mond- und Sonnenfrau.

Der Glaube und der Kult um die drei gütigen Frauen, die durch die Lande gehen, weisen Rat erteilen und Gaben schenken, hielt sich im Volk sehr lange. Der Bethen-Kult wurde (wie so vieles) von der christlichen Kirche okkupiert, und die Göttinnen-Trinität lebt im Bewusstsein der Menschen weiter als die "drei Heiligen Madl'n" namens Margaretha, Barbara, Katharina:

Margaretha mit dem Wurm
Barbara mit dem Turm
Katharina mit dem Radl
des san die drei heiligen Madl!

Was bedeutet das Wort Bethe?
Bethe bedeutet soviel wie Erde. Das Wort Bett leitet sich davon ab, denn ursprünglich schliefen die Menschen nicht auf Matratzen, sondern auf der (Mutter-)Erde. Und unser Wort beten ist davon abgeleitet und heißt eigentlich: "die Göttin anrufen".

Die drei Bethen heißen aber nicht so, weil die Menschen von ihnen etwas erbaten, sondern weil der Name ebendieser Gottheit beth war, nannte man ihren Dienst und ihre Anrufung beten. Bei dem Wort bethe liegt diesselbe bedeutungsmäßige Entwicklung vor wie bei dem Wort Frondienst. Der Frondienst umfasste ursprünglich die kultischen Verpflichtungen im Dienst der drei göttlichen Frauen (vrouwen-dienest). Durch die Vernichtung der alten Religion bekam das Wort eine neue Bedeutung: So wurde aus dem vrouwen-dienst (die Anbetung von drei göttlichen Frauen) der Frondienst, eine Art Leibsteuer, die den neuen Herrschaftsträgern (z.B. den Grund- und Bodenbesitzern) gegenüber verpflichtend zu leisten war.

Die "Beteltänze" und "Bettelumzüge"aus dem Mittelalter, die Bettelstege auf den Wanderwegen, der Bittgang sind alle von den Bethen abzuleiten. Eine weitere Abwandlung des Wortes beth findet sich in der Butter wieder. In vielen Märchen und Sagen kommen melkende und butternde Frauen vor. Manche Sagen erinnern uns noch an eine matriarchale Zeit: »Salige Frauen buttern, spinnen Flachs und helfen den Menschen in all ihren Nöten. Butter und Milch sind im Überfluss vorhanden: die Sennerinnen vom Hochkönig pflastern ihren Weg mit Käselaiben, die Fugen dazwischen füllen sie mit frischer Milch aus, aus der goldgelben Butter formen sie Butterkugeln und spielen damit. In der Tiroler Sage "Frau Hitt" badet diese ihr Kind in Milch und trocknet es mit Weißbrot ab.

Wohlstand, Gesundheit, Reichtum und Lebenslust in Hülle und Fülle! Doch schon zeichnet sich der Umbruch zum Patriarchat ab: Das Verschenken von göttlichen Gaben wie Butter, Milch und Brot wird bestraft und als übermütig und gottlos verdammt. Frau Hitt erstarrt zu Stein, die lebenslustigen Sennerinnen vom Hochkönig (die zudem recht wählerisch in ihrem Umgang mit Männern sind) werden in einem fürchterlichen Sturm von Schnee und Eis begraben.

Aus den glückbringenden göttlichen Frauen, die den Menschen Gutes tun und sie reich beschenken, wurden gottlose (=böse!) Frauen, die für ihren Frevel bestraft werden. Aus den segnend butternden Frauen wurden böse Hexen, die die Milch von anderen stehlen und auf Butterfässern durch die Lüfte fliegen.

Wo die Abwertung oder Vernichtung der göttlichen Frauen nicht klappte (weil die Menschen einfach nicht aufhörten, weibliche Gottheiten zu verehren und anzubethen), dort wurde aus den segenspendenden Frauen der alten Zeit das christliche "Unsere liebe Frau", "Unsere Liebfrau" u.ä..

Während die zweite Worthälfte beth also das allen drei Gemeinsame zum Ausdruck bringt, liegt die unterscheidende Bezeichnung für jede der drei göttlichen Frauen in der ersten Worthälfte: Am-, Wil- Bor-

Ambeth
Das altirische Wort an-u bedeutet Göttermutter, daraus hat sich dann andera für "junges Weib" entwickelt. Im Lateinischen gibt es annula, das Großmütterchen. So verehrten die Römerinnen Anna Perenna, Großmutter Zeit, die ewige Anna. Anna Perenna war eine doppelköpfige Göttin und sie war dem Jahreswechsel zugeordnet. Ihre zwei Gesichter schauten von ihrem Himmelstor, wo ein himmlischer Zyklus mit dem nächsten verschmolz.

In denselben Kreis gehört auch unser Wort Ahne (althochdeutsch: ana), was Großmutter bzw ursprünglich Sippenmutter bedeutete. Als Gemeinsames ergibt sich aus diesen verschiedensprachigen Beispielen die Grundbedeutung Mutter.

Weiters ist das keltische ana mit einzubeziehen, was Erde bedeutet. Damit ist auch das deutsche Wort Anger verwandt (althochdeutsch: an-gar = abgegrenzte Bodenfläche). Über die altirische GöttInnenmutter (anu) und dem keltischen ana (die Erde), sehen wir die doppelte Bedeutung von Urmutter und Erde. Die erste Worthälfte von Ambeth bedeutet also Erde, Erdmutter, göttliche Mutter Erde.

Ambeth ist somit die Personifizierung der jungfräulich-mütterlichen Erde. Die christliche Kirche hat aus der Erdmutter Ambeth die Mutter Anna gemacht. Der Kult um die heilige Anna (Marias Mutter), hatte im 14.Jahrhundert einen großen Aufschwung und war in erster Linie ein Frauenrkult. Anna galt als mächtige Patronin der Schwangeren und Gebärenden sowie auch als Schutzheilige der Bergleute. Auch hier lässt sich Annas Herkunft von der Erdgöttin Ambeth leicht ableiten.

Ambeth ist in zahlreichen Orts- und Flurnamen sowie weiblichen Vornamen gut sichtbar.
Orts- und Flurnamen: Annaberg (bei Leibnitz in der Südsteiermark), Amberg in Oberösterreich, Ambach bei St.Pölten, ...
Mädchen- & Frauennamen: Anna, Anette, Antje, Annika, Amelie, ...

Wilbeth
Das englische Wort wheel enstpricht phonetisch vollkommen dem Wil des Namens Wilbeth.
Wheel bedeutet Rad, wird aber auch benutzt, um überhaupt alles Runde zu benennen. So heißt z.B. die runde Töpferscheibe potter's wheel. Zum mittelhochdeutschen wel (=rund) gesellt sich das niederdeutsche waal für Vollmond. Das englische wheel hatte vermutlich die ursprüngliche Bedeutung von "runde Mondscheibe".

Neben dem englischen wheel hat sich das holländische Wort Wil mit der Doppelbedeutung Zeit und Uhr = Zeitpunkt in der ersten Worthälfte des Namens Wilbeth erhalten. In dieser Bedeutung ist es nachweisbar als das althochdeutsche hwîla, das gotische hweila und das mittelhochdeutsche wîl. Über den Begriff eines bestimmten Zeitpunktes hinaus begegnet das Wort wîl als Ausdruck der Zeitberechnung in der Bedeutung Stunde: "der wîle vier und zwenzic sint under tage unde naht", heißt es in der Kaiserchronik (ein Werk, das um die Mitte des 12. Jahrhunderts von Klerikern verfasst und bis ins 15. Jahrhundert hinein oftmals bearbeitet und weitergeschrieben wurde. Die Kaiserchronik zeichnet in einer chronologischen Abfolge von Herrscherbiographien die Geschichte des römischen Reiches sowie die Fortsetzung des Imperium Romanum unter den deutschen Kaisern nach und führt diese Reihe bis an die historische Gegenwart des 12. Jahrhunderts heran, wobei es aber nicht um historische Authentizität geht, sondern das Werk als Dichtung zu verstehen ist). Somit wissen wir auch, wo unsere Wörter für Weile(Langeweile, verweilen, ...) herkommen.

So wie das Wort wil in vielen Orts- und Flurnamen zu wild wurde, so wurde aus der Vila, der Wil-Frau nunmehr die wilde Frau, an die uns die vielen Wildfräuleinsteine, Wildfrauenhöhlen und Wildfrauenlucken erinnen. Mehr über die Wilden Frauen kannst du bei den » Saligen nachlesen.

Wheel hat denselben Wortstamm wie das gotische hvîl und das alt nordische hvel. So hat sich auch das isländische hiol und schließlich das schwedische und dänische jul (das auch phonetisch dem englischen wheel stark ähnelt) entwickelt.

Die Menschen feierten Uul-Beth oder Jul, das Fest der Göttin Wilbeth zur Zeit der Wintersonnenwende (die Christen verlegten die Geburt Jesu auf diese Zeit und nannten es Weihnachten). Das Julfest ist unser heutiges Weihnachtsfest. Somit ist die Jul-Beth eigentlich das Christkind, und viele Mädchen und Frauen sagen auch heute, wenn du sie nach dem Geschlecht vom Christkind fragt, ohne zu zögern: "Ein Mädchen natürlich!"

Jul ist ein Mondfest! Denn nicht die Sonnenwende steht in erster Linie im Mittelpunkt dieses Festes, sondern der Mond. Früher rechneten die Menschen die Zeit nach Monden (daher kommt auch unser Wort Monat), und es wurden nicht die Tage, sondern die Nächte gezählt. Die abwechselnd sichtbare oder unsichtbare oder teilweise sichtbare Mondscheibe war mit dem Begriff der Zeit eng verbunden. Nach altem Glauben weckt nicht die Sonne, sondern der Mond das keimende Leben in Menschen, Tieren und Pflanzen.

Wilbeth ist also eine Mondgöttin! Sie ist die Mondmutter, die Herrin des Lebens. Und so ist ihr Attribut das wheel - die Scheibe, das Rad, das einerseits die 4 Jahreszeiten darstellt, andererseits auch den ewigen Kreislauf des Lebens symbolisiert.

Die katholische Kirche machte aus Wilbeth die christliche Katharina, deren Name die Reine, Helle bedeutet und die das Lebensrad, das Symbol der Wilbeth, in ihren Händen hält. Und Katharina ist wiederum eine der drei heiligen Madl'n.

Die heiligen Plätze, die der weißen, hellen, strahlenden Wilbeth geweiht waren, wurden später vom Christentum okkupiert und "Maria Schnee" genannt. Auch im Namen "Maria Schnee" erkennen wir die weiße, wie Schnee hellstrahlende Göttin, als welche auch » Maria dargestellt ist: sie trägt ein strahlend-weißes Kleid und einen himmelblauen Mantel, umrahmt von den glänzenden Sternen des Himmels:

Orts- und Flurnamen: alle Marienorte wie Maria Schutz, Villach (Kärnten), die Vilalp in Tirol, die Wildalm in Oberösterreich, Wildon in der Steiermark, ....

Borbeth
Der Name Borbeth enthält in seiner ersten Hälfte den keltischen Stamm borm, zu dem unser warm gehört. Ebenfalls hierher gehört das keltische bor-co mit der Bedeutung strahlend, leuchtend. Dem altenglischen beorht in der Bedeutung glänzend, hell gesellt sich das althochdeutsche perahta (leuchtend, glänzend) hinzu. So bedeutet auch der Name der » Percht "die leuchtende, glänzende Göttin". Wie übrigens alle Namen, die auf -bert oder -brecht enden, an die Percht oder an Borbeth erinnern.

Zu den Bezeichnungen "warm", "leuchtend" und "strahlendes Licht" fügt sich noch der Begriff der Höhe. Unser Wort empor enthält noch das althochdeutsche por, was soviel wie "Erhebung, Höhe" bedeutet.

Borbet ist also die mütterliche, leuchtende Sonne. Von oben, aus der Höhe spendet sie uns Wärme und strahlendes Licht. Viele Orts- und Flurnamen, die mit dem Osten zusammenhängen (und im Osten geht ja die Sonne auf!) verweisen nicht nur auf » Ostara, sondern auch auf die Sonnengöttin Borbeth: Hochosterwitz, Holzöster, ...

Der Borsee in Oberösterreich erinnert an Borbeth - so auch die an den See angrenzende Wiese mit dem Namen Wildwiese an ihre Schwester Wilbeth verweist. Auch in den deutschen Städtenamen Württemberg, Bettendorf und Bitburg ist Borbeth noch zu erkennen. Ein kleines Dorf in Deutschland namens Bethen (!) rühmt sich damit, der nördlichste Marienwallfahrt Europas zu sein.

Zu keltischer und römischer Zeit hieß die Stadt Worms Borbetomagus, auch hier ist Borbeth unschwer zu erkennen. Wir begegnen ihr im Dom als Warbede wieder. Die etymologische Herleitung erklärt sich durch die keltische Entsprechung borm zum deutschen warm; so wird aus Borbetomagus (= das Feld der Borbet) im Zuge der Diphthongverschiebung und Latinisierung Warmazfeld, Warmazia, Wormazia und schließlich Worms. Der Erbauer des Doms, Bischof Burchard bezeichnete die Verehrung der drei Frauen als Sünde und gibt uns so Anlass zur Vermutung, dass die drei göttlichen Frauen sehr beliebt und der Kult um sie im 11. Jahrhundert noch sehr verbreitet war.

Die christliche Kirche machte aus Borbeth schließlich Babett, die heilige Barbara, die der kirchlichen Legende nach von ihrem Vater in einem Turm eingesperrt wurde, weil sie sich zur Christin bekannte. Als Barbara lebt Borbeth in den Heiligen drei Madl'n weiter.

Brigid
Diese keltische Göttin hat in vielen Gestalten und Namen überlebt: Brighid, Brigit, Brigid, Bhride, Bride, Briga, Briganda, als Heilige Brigitte im Christentum, als Brigantia im Angelsächsischen, als Bride in Schottland, als Brigandu in der keltischen Bretagne. Ihr Name weist auf ihre Verbindung zum Feuer hin: Brigid (sprich: "Brigid", nicht wie im heutigen Englisch "Bridschit") kommt wahrscheinlich von breo-saighit oder breo-agit, was leuchtender Pfeil oder brennender Pfeil bedeutet. In Brigid steckt auch bright (das englische Wort für strahlend, hell). Der Name Briganda wiederum bedeutet die Erhabene und in ganz England und Irland findet man Stätten und/oder Quellen, die ihren Namen tragen oder deren Heilkraft ihr zugeschrieben wird. Dabei handelt es sich teilweise sogar um christliche Kapellen. Doch die Göttin war nicht nur im keltischen Irland zuhause! Viele Orte in Mitteleuropa erinnern noch heute an ihren Namen: die Birgitzer Alm mit dem Birgitzköpfl in Tirol, die Brigitta-Kirche im 20.Wiener Gemeindebezirk, die Hauptstadt Vorarlbergs: Bregenz; Burgund...

Brigid war die mächtigste und beliebteste Göttin Irlands. Die Christen konnten sie nicht vertreiben und so machten sie kurzerhand eine mittelalterliche Heilige aus ihr („Die heilige Maria der Iren"). Sie übernahmen den alten Feiertag für Brigid, der als Frühlingsanfang gefeiert wurde, und nannte ihn nun Mariä Lichtmess. Das » ökumenische Heiligenlexikon erzählt uns folgende Legende: Brigitte von Irland wurde um das Jahr 451 geboren. Ihr Vater stammte aus adligem Geschlecht, ihre Mutter war eine Leibeigene. Patrick höchstpersönlich habe sie getauft. Brigida zeichnete sich durch ihre Schönheit aus, weigerte sich aber, zu heiraten. Schließlich gestattete man dem frommen Mädchen im Alter von 14 Jahren, das Elternhaus zu verlassen und Nonne zu werden. Sie gründete das Kloster Kildare. Kildare kommt aus dem Irischen Cill Dara, was Eichenkirche bedeutet. Dort lebte sie als Äbtissin bis zu ihrem Tode am 1. Februar 523. Spätere Legenden berichten davon, dass sie Haustiere geheilt habe, sie galt als Schutzheilige des Geflügels, der Kühe und des Viehs, der Kinder und Wöchnerinnen, gegen Unglück und Verfolgung. Sie gilt noch heute als die Nationalheilige Irlands. Doch die katholische Heilige Brigitta von Kildare hat es nie gegeben - diese ist nur Pseudonym für die alte keltische Göttin.

Das keltische Imbolc-Fest ist der Brigid gewidmet: heilige Feuer werden entfacht, denn das Symbol der dreifaltigen Brigid (es heißt, dass sie noch zwei Schwestern hat, die ebenfalls den Namen Brigid tragen) ist das Feuer. Die Göttin Brigid ist zuständig für die Poesie, für die Schmiedekunst, für Inspiration und Heilung. Weiters stehen der häusliche Herd und die Heilkunst, der Frühling und die Erde unter Brigids Schutz. Sie ist die Göttin mit dem berühmten Kessel, der als Symbol für Nahrung, Heilung und Erschaffung alles Lebendigen steht und aus dem sie alles schöpft, was eine braucht. In Kildare ist Brigids heiliger Schrein, wo ein Feuer wurde von neunzehn jungen Frauen bewacht wurde. Und so kann Brigid mit einem Feuer oder durch einen Kessel gerufen werden.

Demeter
Getreidegöttin, Vegetationsgöttin, Erdmutter, Kornmutter, Göttin der der Zauberinnen

Über die Bedeutung des Namens dieser Göttin habe ich verschiedene Deutungen gefunden:

  • De steht für Dea (was Göttin bedeutet) und meter bzw mater heißt Mutter. Daraus ergibt sich: Dea Mater = Mutter Göttin.
  • Der Name Demeter geht zurück auf das griechische meter (Mutter) und de(=Delta, Dreieck: ist ein altes Symbol für die Vulva. Das Dreieick deutet auch auf die Trinität der Göttin hin).
  • Der Name Demeter bedeutet das Tor zum Geheimnis des Weiblichen, oder auch das Tor des rätselhaften Weiblichen, die Wurzel, aus der Himmel und Erde entsprangen
  • Raoul Schrotts Variante gefällt mir fast am besten, da er auch den dunklen, furchterregenden Aspekt der Göttin mit einbezieht.
    Er sagt:"Die Göttin Demeter hieß eigentlich die Da-Mater, die Mutter Da, und das Da war ein Lallname. Man konnte sie nicht nennen, sonst wäre sie plötzlich in ihrer ganzen Schrecklichkeit aufgetaucht, und das wollte man nicht, also hat man sie Da genannt, ein abstrakter Name, der nichts bedeutet."

Wer ist sie also, die Göttin Demeter, deren Delta das Tor zum Geheimnis des Weiblichen ist und die so schrecklich ist, dass man es nicht wagte, ihren Namen auszusprechen?

Demeter ist eine sehr alte, aus frühester Zeit stammende Muttergöttin, deren triadischer Charakter vollständig erhalten blieb, denn Demeter ist zugleich Kore, Persephone und Hekate:

  • Kore: Mädchen, junge Frau, das grüne Getreide
  • Persephone: die erwachsene, reife Frau, die reife Ähre
  • Hekate: die Alte, der Tod, das geerntete Korn

Demeterherrscht über alle Formen der Fortpflanzung und der Erneuerung des Lebens - nicht nur, aber vor allem bei den Pflanzen. Demeter ist die griechische Göttin der Fruchtbarkeit und des Ackerbaus, die Erdmutter verehrt wurde. Bei den RömerInnen wurde sie Ceres genannt. Demeter verweilte lieber auf der Erde, denn sie fühlt sich mehr mit den Menschen auf der Erde verbunden, als mit den Göttern oben am Olymp, das machte sie auf dem Olymp eher zur Außenseiterin.

Sie ist die Göttin der Erde, des Wachstums, der Reife und somit die Schutzgöttin für alles, was wächst: Menschen, Tiere und Pflanzen. Demeter bringt alles Leben auf der Welt hervor, das nach dem Tod wieder zurück in ihren Schoß fällt. Demeter stellt die Verbindung zwischen Sterblichen und Unsterblichen dar und begleitet die Menschen auch im Sterben und in den Tod. So können wir Demeter in Ritualen, die Altes sterben und Neues hervorbringen sollen, anrufen. Demeter wurde und wird besonders von Frauen verehrt, bei denen sie schon immer in hohem Ansehen stand.

Demeters Attribute sind: Weizenähre und Mohn, zur Fortbewegung benutzte sie zu Lande ein Schwein(!), im Wasser einen Delphin. Blumen, Früchte und Samen erinnern an sie als Herrin der Pflanzen. Sie wird häufig mit einer Mohnblume in der Hand dargestellt. Um sie und den Mohn ranken sich verschiedene Sagen: So soll Demeter Samen des Schlafmohns genommen haben, um im Schlaf und Traum ihren Kummer und Schmerz zu vergessen. Doch das Zentrum ihrer Macht ist das Getreide! Demeter trägt eine Labrys als Zepter. Die Doppelaxt ist u.a. auch als Kult- und Machtsymbol bei den Amazonen zu finden.

Demeter-Kult
Die Geschichte über den Raub ihrer Tochter Persephone habe ich weiter oben bereits unter » Baubo genauer erzählt, da ich finde, dass diese Geschichte mehr über » Baubo als über Demeter aussagt. Doch da die Schicksale Demeters und Baubos eng miteinander verknüpft sind, beschreib ich sie hier nochmal kurz:

Hades, der Gott der Unterwelt, brauchte dringend eine Frau, und da sich keine fand, die freiwillig in die Unterwelt ging, und keine Mutter ihre Tochter in die Unterwelt schicken würde, entführte er kurzerhand Demeters wunderschöne Tochter Persephone. Hades und Zeus hatten nämlich beschlossen(!), dass Persephone Hades' Frau werden sollte. Gefragt haben sie sie aber nicht, sondern sie kurzerhand entfürht. Demeter war darüber voller Trauer und Schmerz (wir fühlen mit ihr!), überall suchte sie nach ihrer Tochter und nirgends konnte sie sie finden. Schließlich wurde sie sehr zornig und verfluchte die Erde, indem sie alles verdorren ließ und nichts wuchs und gedieh mehr, die Menschen und Tiere drohten zu verhungern. Da kam Baubo, um Demeter aufzuheitern: Sie wackelte mit ihren Brüsten, lüpfte die Röcke und grinste Demeter mit ihrer Vagina an, worüber Demeter unbändig lachen musste und wieder fröhlich wurde: und Demeter machte die Erde, die Menschen und die Tiere wieder fruchtbar und das Leben begann wieder zu sprießen.

Sie gründete die Eleusinischen Mysterien, die in Griechenland fast 2000 Jahre lang gefeiert wurden. Erst im Jahr 396 n.Chr. wurde dieses älteste religiöse Zentrum Europas zerstört. In den Eleusinischen Mysterien vermittelte die Göttin der Fruchtbarkeit den Teilnehmerinnen das Mysterium von Geburt und Tod; die Kunst, sich am Leben zu erfreuen und zu sterben, ohne den Tod fürchten zu müssen. Die athenischen Gesetze verlangten bei Androhung der Todesstrafe ein absolutes Schweigen über die Vorgänge in Eleusis. So kennen wir den vollen Inhalt und die Bedeutung der Mysterien Demeters nicht, doch ungefähr so dürfte dieses Ritual abgelaufen sein: Nach langer Vorbereitung wurden die Initianden in einen Raum gebracht, wo sie (oft bis zu 3000 Menschen gemeinsam) eine Nacht in Meditation schweigend verbrachten. Vorher entledigten sie sich aller Hüllen: körperlich, seelisch und geistig. Den Höhepunkt der Zeremonie bildete das Erlebnis des blendend weißen Lichtes, das sie bei geschlossenen Augen wahrnahmen. Wem dieses Erlebnis des Urlichts zuteil wurde, der hatte damit die Gewissheit der Geborgenheit in der Urkraft und lebte fortan auch äußerlich als verwandelter Mensch.

Ein weiteres Hauptfest des Demeter-Kultes waren die Thesmophorien, ein weibliches Fruchtbarkeitsfest, dem kein Mann beiwohnen durfte. Das Fest der Thesmophorien fand in Athen alljährlich im Spätherbst zur Zeit der Aussaat statt. Während drei (andere Quellen sagen fünf oder zehn)Tagen feierten die Frauen Griechenlands dieses Fest zu Ehren der Demeter. Die Tage hatten eigene Namen: Anodos (Hinaufsteigen, Aufstieg), Nesteia (das Fasten) und Kalligeneia (heißt in etwa: schöne Geburt, das Wort wurde auch als Name von Geburtsgöttinnen verwendet).

Am ersten Tag (Anodos) stiegen die Frauen mit ihrer Ausrüstung, den Nahrungsmitteln und Ferkeln zum Tempel der Demeter auf und schlugen ihr Lager für die nächsten Tage auf. Sie wohnten in improvisierten Hütten und saßen am Boden und schliefen auf einem Lager aus Lygos-Pflanzen(Mönchspfeffer). An diesem Tag feierten sie die Rückkehr und den Aufstieg der Persephone aus der Unterwelt. Am zweiten Tag (Nesteia) fasteten die Frauen, und am dritten Tag (Kalligeneia) fanden Feierlichkeiten und sicher auch ein Festmahl statt.

Bestimmte Frauen, die "Schöpferinnen" genannt wurden, holten aus Gruben, in denen sich Schlangen befanden, die durch Geräusche vertrieben werden mussten, die Überreste von Ferkeln, Gebäckstücken in Schlangen- und Phallenform und Kiefernzapfen herauf. Das Heraufgeholte wurde dann wie Getreide als "Düngemittel" auf den Altar gelegt und später dem Saatgut beigemischt, um eine gute Ernte zu erlangen. Eine gute Ernte war sehr wichtig, denn der tägliche Bedarf der Bevölkerung an Lebensmitteln wurde allein von der heimischen Landwirtschaft gedeckt. Landwirtschaft hatte im antiken Griechenland einen sehr hohen Stellenwert, der ganze Mittelmeerraum war zu dieser Zeit von einer guten, jährlichen Ernte und der Fruchtbarkeit der Nutztiere abhängig. Und weil Demeter somit für das Überleben der Menschen sorgte, wurde sie allgemein als Spenderin von Lebenskraft angesehen.

In Mykenä, einer der frühesten Kultstätten Demeters, standen Kuppelgräber mit dreieckigen (das Delta!) Eingangspforten. Ihren kurzen, scheidenartigen Durchgängen und ihre runden Wölbungen symbolisierten den schwangeren Bauch der Göttin. Auch die Eingangspforten waren den Frauen geweiht: die SumererInnen z.B strichen sie rot an, um das weibliche Blut des Lebens zu veranschaulichen. Das Symbol des Mutterbauches findet übrigens sich auf der ganzen Welt: ich denke da z.B an die Hügelgräber der WikingerInnen, die indianischen Tipi, die Iglus der Inuit, die Rundhütten verschiedener afrikanischer Völker usw usf...

Freyja
Göttin der Liebe, Göttin des Mondes, Gebieterin des Schicksals, der Sterne und der Magie; Herrin der Katzen

Ihr Name bedeutet übersetzt "Herrin, mächtige Frau, Gebieterin". Nach Snorris Prosaedda leitet sich unser Wort Frau- im Unterschied zu wîp (Weib) - als weibliche Ehrenbezeichnung von dieser Göttin ab. Wîp bezieht sich also mehr auf das Geschlecht, Frau hingegen auf die Würde. Vornehme Frauen waren freyjur und das Wort hûsfreyja bezeichnete die Hausfrau, in deren Händen auch die Wahrsagekunst lag. "Und von ihrem Namen stammt die Ehrenbezeichnung vornehmer Weiblichkeiten: Frauen ", so steht es in der Prosaedda. Diese enge Verwandtschaft von Frau und Freyja erlaubt einen weiteren Schluss: Die Frau ist ihrem Namen nach bereits Göttin!

Ihr Tag ist der Frei-tag ("Tag der Freyja"). Nicht nur unsere heutige Bezeichnung für einen unserer Wochentage, sondern auch der früher gebräuchliche Begriff freien(=heiraten) leitet sich von ihrem Namen ab. So war der Freitag ursprünglich ein Liebes- und Glückstag, an dem man heiratete und sich vergnügte.

Freyja ist die größte Göttin der Vanen. Sie ist die herrschende Stammutter der älteren Götter. Die Vanen (insbesondere die Vaninnen) galten als ein seherisches, weises und weissagendes Geschlecht. Die Mythen erzählen, Freyja habe Odin die Kunst des Seiðr gelehrt. Seiðr ist die Magie der Verwandlung und des Siedens("Seiðr" bedeutet "sieden") magischer Tränke im heiligen Kessel. Seiðr ist eine frauenspezifische alte magische Übung, die mit dem Schamanismus verwandt ist. In Freyja verehren wir alles, was bereits unseren VorfahrInnen heilig war: die Macht der Liebe, die sich in der Sexualität und ihren schöpferischen Kräften manifestiert.

Freyja spendet allen Lebewesen in gleicher Weise Leben: Alles Leben ist ihr Geschenk und gleich heilig. Freyjas heilige Tiere sind die Katze, das Schwein und der Falke. Sie fährt einen Wagen, der von zwei Katzen gezogen wird, sie reitet auf einem Schwein. Sie trägt ein Falkenkleid, mit dem sie, in einen Falken verwandelt, fliegen kann. Diese Verwandlungsfähigkeit ist ein Zeichen ihrer magischen Kraft, denn Freyja ist die Herrin der vanischen Art der Magie (Seiðr). Freyja wird auch gerufen, wenn es darum geht, eine Schwangerschaft abzubrechen.

Freyja ist nicht nur die Göttin der Liebe & Sexualität, sondern auch die Göttin von Leben und Tod und auch eine Kriegerin. Die lebensspendende Göttin ist zugleich die todbringende. Die Edda berichtet von einem Eber namens Hildisvinn (Kampfschwein), den Freyja besitzt und davon, dass sie die Hälfte der gefallenen KriegerInnen auswählt (die andere erhält Odin). Freyja führt diese nach Fólkvangur. Dort gibt sie ihnen ein neues Leben.

Freyja war übrigens, was Männer betraf, ziemlich wählerisch. Oðr musste dreimal um sie werben, ehe sie ihn überhaupt eines Blickes würdigte... Somit gilt Freyja auch als Beschützerin aller freyjen Frauen!


Inanna
Herrscherin des Himmels, Himmelskönigin

Inanna war die Königin über eine Stadt namens Uruk, nicht weit landeinwärts gelegen. Inannas Palast hieß Fanna - "Haus des Himmels".

Inannas Vater Enki hortete in seinem Palast einen Schatz: Kisten und Kasten voller kostbarer Mes, über die er eifersüchtig wachte, das waren zauberische Amulette, die die Eigenschaft besaßen, ihrer Trägerin oder ihrem Träger unbeschränkte Macht über Himmel und Erde zu verleihen.

Das Wort Me bedeutet vermutlich "Mutterweisheit" - die Göttin und Urmutter Nammu hatte es ihrem ältesten Sohn übergeben. Ähnlich klingende Worte sind das Sanskritwort medha, "weibliche Weisheit", für den gleiche Begriff benutzt das Ägyptische met. Wie auch das griechische meter ("Mutter") bedeutet der Begriff überdies ein dezimales Rechensystem (vgl. Metrik, Meter). Weiter meint Me "die magische Macht des Schicksals, religiöse Inspiration und Heilmagie" (vgl. Medizin). Viele Göttinnen-Namen enthalten die Silbe Me in ihrem Namen: Medea, Medusa, Metis, Mene, Maat und auch Demeter.

Enki und Inanna fangen zu tafeln und zu bechern an. Aber Inanna bleibt auf der Hut. Sie nippt nur an ihrem Pokal, ist aber dabei eine fröhliche Gästin und schenkt ihrem Vater immer eifrig nach, bis dieser sturzbetrunken ist und seiner geliebten Tochter am liebsten die ganze Welt schenken möchte. Er wirft ihr die Schlüssel zu seiner Schatzkammer über die Tafel und ruft: "Im Namen meiner Macht, der heiligen Inanna, meiner Tochter, will ich die göttlichen Mes schenken!"

Er schenkt ihr also die Mes und Inanna nimmt sie an.

Mithilfe ihrer Fährfrau & Freundin Nin-Shubur laden sie alles in ihr Himmels-Schiff.

Als Enki jedoch wieder nüchtern ist, bedauert er, dass er Inanna die me-Kräfte geschenkt hat. Er versucht, sie ihr wieder abzunehmen. Sie ist sehr erzürnt darüber, dass ihr Vater sein Wort nicht hält/halten will: "Mein Vater hat nicht Wort gehalten! Er hat seinen Eid verletzt - sein Versprechen gebrochen! In betrügerischer Absicht sprach mein Vater mit mir! [..]"

Nin-Shubur, Königin des Ostens, durchschneidet die Luft mit ihrer Hand und stößt einen erderschütternden Schrei aus. Die Geschöpfe, die Enki geschickt hatte, um Innana die me-Kräfte zu rauben, werden damit mit einem Handstreich zurückgeschickt. So rettete sie das Boot für Innana - insgesamt sechsmal.

Enki gibt schließlich auf und findet sich damit ab. Er spricht zu Inanna: "Die Me, die du mitgenommen hast sollen im heiligen Schrein deiner Stadt verbleiben. […] Auf dass es den BewohnerInnen deiner Stadt wohlergehe. Auf dass die Kinder von Uruk sich freuen mögen..."

Inanna und ihre Gefährtin Nin-Shubur sind schließlich in Uruk angelangt und wie sie die Me-Kräfte aus ihrem Himmelsboot ausladen, sehen sie, dass nun noch mehr Me-Kräfte, als sie ursprünglich eingeladen hatten, dabei waren:
z.B. die vollkommenen Ausführung der Me, die Tigi- und Lilis-Trommeln, die Ub-, die Meze- und die a la-Tamburine, die Kunst der Frauen, und noch vieles mehr!

Isis
Königin der Göttinnen, Göttin der Unterwelt, Totengöttin, Flussgöttin Herrin des Wassers

Noreia - das ist der Name der großen Göttin bei den KeltInnen der Alpenländer. Eine ihrer vielen Namen ist Danu. Die keltische Göttin Isis war die Göttin ihres heiligen Flusses, und zwar der Donau (lateinisch: Danubius). Die RömerInnen nannten sie Isis Noreia.

Der Stämmeverband der NorikerInnen, zu dem sich diverse keltische Völker der Alpenregion vereinigten und das norische Königreich gründeten, verehrten sie als Noreia. Sie wurde nachfolgend von den RömerInnen als Isis Noreia verehrt - eine Inschrift findet sich auf den Überresten eines Isis-Noreia-Tempels im Tempelmuseum am Frauenberg in der Steiermark. Noreia ist auch der Name der Hauptstadt des alten Königreichs Norikum, dem ersten Staatsgebilde auf österreichischem Gebiet.

HistorikerInnen vermuten, dass nicht Noreia nach dem Volk, sondern umgekehrt das Volk der NorikerInnen nach der Göttin benannt sind.

Maria
Große Göttin, Himmelskönigin, Meerstern und für ChristInnen die Mutter Gottes

Mari ist ein Grundname der Großen Göttin. Ihr lateinischer Name war Maria, was die Meere bedeutet. Oft wird sie auch stella maris genannt, Meerstern.

Maria gebar, wie so viele andere Frauen & Göttinnen, ein Kind in Menschengestalt: Rhiannon gebiert ihren Sohn Pryderi, durch Isis wird Horus wieder geboren, Demeter bekommt ihre heilige Tochter Persephone, die Erdgöttin schenkt Dionysos das Leben, und in Japan kommt Amaterasu aus ihrer Höhle. In unserer Kultur schenkt eben Maria Jesus das Leben.

Der Kaiser Theodosius ließ um 384 das Christentum im römischen Reich zur Staatsreligion erheben und alle alten Religionen verbieten. Doch Glaube lässt sich halt nicht erzwingen, und so wurde Isis mit Maria identifiziert und aus Isis mit dem Horuskind die christliche Göttin Maria mit dem Jesuskind. Es gibt Statuen aus dieser Zeit des Übergangs von Isis zu Maria, von denen man nicht weiß, ob sie Isis mit dem Horuskind auf dem Arm oder Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm darstellen sollen.

Die Christen wollten den matriarchalen Kult der Göttinnen-Verehrung auslöschen und ihre eigene Religion, in der es keine Frauen gab, in der ein zorniger, strenger, herrischer und rachsüchtiger Vatergott mit seinem Sohn angebetet wurde, durchsetzen. Doch das Bedürfnis der Menschen, eine Mutterfigur, eine Frau als göttliches Wesen zu verehren, konnten sie nicht auslöschen. Nachdem die Kirche also sah, dass die Menschen nicht davon abließen, weiterhin zu ihren Göttinnen zu beten, beschloss sie, die jahrtausendealte Göttinnen-Verehrung für sich zu nutzen, sie umpolen und umzuleiten auf ihre eigene Religion. Eine Aussage von Papst Gregor I. macht diese Geisteshaltung recht deutlich: "...man solle die Bräuche und Glaubenslehren der Völker nutzen und nicht versuchen, sie auszulöschen. Wenn eine Gemeinschaft einen Baum anbete, so solle man ihn, anstatt ihn umzuhauen, Christus weihen und sie ihre Anbetung fortsetzen lassen...".

In diesem Sinne beschloss Papst Julius I., den Geburtstag Jesu, also Weihnachten auf den 25. Dezember zu legen, da dieses Datum mit den alten Bräuchen zur Wintersonnenwende (meist um den 21./22. Dezember herum, war ein bewegliches Datum) zusammenfiel. Die Kirche wollte das alte Fest Wintersonnenwende durch das christliche Weihnachten austauschen. Doch der Anlass für die beiden Feierlichkeiten war sehr unterschiedlich: Beim Wintersonnenfest wurde die Göttin gefeiert, der Schwerpunkt lag also auf der Frau, und der alte Name für diese Nacht lautete Modraniht (Mutter-Nacht). Im christlichen Weinhachten jedoch wurde der Gottessohn in den Mittelpunkt gestellt.

Die christliche Gestalt der Maria entstand in den ersten vier Jahrhunderten der christlichen Ära aus einer Mischung althergebrachter Göttinnen, deren Attribute und Symbole sie vereint:

  • der alte Aspekt der der jungen Frau als Göttin
  • die Rose als Sinnbild für Blut, Liebe und vor allem die weibliche Sexualität und ihre Sinnlichkeit
  • Mondsichel und Spindel
  • die Muschel als Symbol für die Vagina
  • ihr blauer Sternen-Mantel verweist auf ihre Identität als Himmelskönigin

Es hieß, dass die Zahl 5 die der Marienanbetung geweihte Zahl sei. Die Frauen benutzten weiterhin das Pentagramm als Schutzzeichen und bekreuzigten sich mit dem fünffachen Kreuz. Die Kirchenmänner diffamierten das Pentagramm und assoziierten es mit Hexen, sie behaupteten, dass das Vollziehen des Pentagramms eine pervertierte Nachahmung des christlichen Kreuzzeichens sei - doch ursprünglich waren es die Christen gewesen, die diesen Brauch übernommen und nachgeahmt haben!

Die Verehrung der zahlreichen Göttinnen wurde also gebündelt und auf eine einzige, nämlich Maria, übertragen. So konnten breite Schichten der Bevölkerung angesprochen werden. Auf die Figur Mariens wurden Wunderkräfte und die Züge zahlreicher gestürzter Heil- und Schutzgöttinnen übertragen, sie spendete Segen und wirkte Wunder. Zahlreiche Heiligtümer und Tempel wurden in Marienkirchen umgewandelt.

Die Rechnung, Maria als Stellvertreterin der weiblicher Gottheiten und weiblicher Kulte einzusetzen, schien aufgegangen zu sein: die Marien-Verehrung verbreitete sich stark, das Volk nannte sie Himmelskönigin und es gab sogar einige Gruppen, die versuchten, Maria als Göttin neben oder an die Stelle Gottes zu setzen. Diese große Verehrung Marias war der Kirche natürlich überhaupt nicht recht, sie wollten Maria nicht zu viel Macht und Verehrung zugestehen und als Göttin wollten sie sie schon gar nicht. Die Kirchenmänner mussten verhindern, dass der Kult um die Jungfrau Maria im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand - sie verlangten, dass die Menschen den Gottessohn anbeteten.

So beschloss die christliche Kirche, die Gestalt Marias endgültig aus dem Bereich der Göttlichkeit zu verdrängen. Aus der jungfräulichen Großen Göttin ("jungfräulich" bedeutete damals "unabhängig von einem Mann") machten sie eine Jungfrau (im sexuellen Sinne). Obwohl in der Bibel eindeutig von Brüdern und Schwestern Jesu die Rede ist, beharrten sie darauf, dass Maria niemals Geschlechtsverkehr hatte. Sie versuchten, sie auf die Rolle der Gottesgebärerin zu reduzieren. Maria war zwar die Mutter Jesu, die Mutter Gottes, doch selbst nicht göttlich: Sie war nun keine selbständige Göttin mehr, sondern die Magd des Herrn.

Doch vom Volk erfuhr sie weiterhin eine besondere Form der Verehrung, denn die Menschen des Mittelalters betrachteten den christlichen Gott oft als ihren Verfolger, aber Maria als ihre Verteidigerin. So wurde Maria als Fürsprecherin der Menschen bei Gott betrachtet ("Du bist wahrhaftig unsere Königin und unsere Hoffnung" oder "Oh, Maria, hilf!" flüsterten die Frauen in der Kirche, und auch heute noch heißt der 6.Wiener Gemeindebezirk nach ihr: Mariahilf.)

Unzählige Gebete, Lieder ("Meerstern, ich dich grüße", "Freu dich, du Himmelskönigin", "Glorwürd'ge Königin, himmlische Frau" …) und Gemälde, die ihre Fähigkeiten und Qualitäten preisen, verweisen auf ihren mächtigen Einfluss im Volk.

1954 erklärte die katholische Kirche Maria dann ganz offiziell zur "Himmelskönigin".

Ostara
Eos, Aurora, Astarte, Eostre, Göttin des strahlenden Lichts, Göttin der Erneuerung

Ihr Name leitet sich vom Licht, von der Sonne, die im Osten aufgeht, ab. Der Name für Ostern stammt vermutlich von der Göttin Ostara, die germanische Göttin des Frühlings ist, ab. In der griechischen Mythologie heißt sie Eos, bei den RömerInnen Aurora. Ostara symbolisiert die aufgehende Sonne. Der Name Österreichs (Reich der Ostara) leitet sich von ihr ab, wir finden sie auch wieder in zahlreichen Flurnamen wie die Ostsee, im Ossiacher See, in vielen verschieden Ortsnamen wie z.B die Dörfer Ostermiething und Holzöster in Oberösterreich. Als Göttin Eostre lebt die Erinnerung an sie auch im Würzkraut Estragon.

Das Fest der Ostara wurde/wird zu Frühlingsbeginn, der Zeit des neuen Wachstums, gefeiert, bei dem ihr Brot und Eier geschenkt werden. Dieses Frühlingsfest wurde nach der Göttin Astarte benannt, die in nordeuropäischen Ländern Eostre oder Ostara heißt. Ihr heiliger Monat war der Eastre-monath, der Mond der Eostre (siehe auch das englische Wort easter). Ostaras heilige Tiere sind der Hase und der Marienkäfer (oft auch "Frauenkäferl" genannt!). Es heißt, dass Ostara Kinder liebt und daher, um sie zu erfreuen, ihren Vogel in einen Hasen verwandelt hat. Dieser brachte dann wunderhübsch buntgefärbte Eier, welche die Göttin den Kindern schenkte. Und so ist es bis heute noch... :-)

Ihre Attribute - das goldene Sonnenei und die Häsin - weisen sie auch als lebensspendende Göttin aus: Eier galten von jeher als das Symbol für die Wiedergeburt. Sie wurden auf Höhlenmalereien aus der Altsteinzeit gefunden, z.B. zusammen mit Mondsymbolen. Die Häsin wiederum schenkt so vielen Jungtieren das Leben, dass ihre Vermehrungsbereitschaft sprichwörtlich geworden ist ("...vermehren sich wie die Karnickeln!"). Die Häsin ist ein schönes Symbol für die lebensspendende Kraft der Göttin.

Das Christentum hat das alte Ostara-Fest zum Osterfest umfunktioniert und dabei auch die Abhängigkeit des Datums vom Mond beibehalten: So wurde festgelegt, dass Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond auf die Frühlingstagundnachtgleiche folgt.

Mag sein, dass die Gestalt der Göttin verschwunden ist. Doch ihre Attribute - Hase und Ei - sind bis heute im Brauchtum lebendig geblieben. Das zeigt sich z.B. in dem hübschen Ostersprüchlein:

"I bitt goa sche um a rot's Oa,
drei san ma liaber wia zwoa!"

"Ich bitt' gar schön um ein rotes Ei,
drei sind mir lieber wie zwei!"

Percht
Ur-Ahnin, Tödin, Berggöttin, Waldfrau, Wintergöttin, Seelenführerin, Unterweltgöttin, Himmlische Spinnerin, Hebamme in Leben und Tod

Auch diese Göttin hat viele Namen: Holda, Hulda, Holla, Hollermutter, im Alpenraum auch unter Percht, Berchta, Berta; im nordeuropäischen Sprachraum unter Hel, Huldre bekannt. Der Holunderstrauch ist ihr Wohnort (Holuntar für Holunder ist althochdeutsch und bedeutet Baum der Frau Holle). In jedem Hollerstrauch wohnt der Geist der Percht. Im Englischen heißt der Holunderstrauch Elder-Tree, was Ahnenbaum heißt. Das althochdeutsche perahta, von dem sich ihr Name herleitet, bedeutet Leuchtende oder Glänzende.

Viele Städte und Straßennamen in Europa erinnern noch heute an die Göttin: Holland, Helsinki, Perchtoldsdorf, Berchtesgarden (Garten der Percht), Hollabrunn (Brunnen der Holle!), die Reinprechtsdorferstraße, die Prechtlgasse und der Schwarzenbergplatz (Platz der schwarzen Percht) in Wien; die Stadt Perg in Oberösterreich, deren Wappen sogar die alten Farben der dreifaltigen Göttin zeigt: weiß, rot, schwarz.

Sie wird oft auch mit Metall in Verbindung gebracht, vorzugsweise mit Eisen (vermutlich, weil sie ja meistens in den Bergen wohnt und dort viel Eisenvorkommen sind) und kommt daher in manchen Märchen auch als Frau Eisen vor. Und so trägt auch die Hauptstadt Burgenlands den Namen der Göttin: Eisenstadt.

Sie wohnt in Bergen, Höhlen, Brunnen und tiefe Mischwäldern. Sie hütet das Spinnen und Weben, das Garn und das Korn - ein Wollknäuel, das niemals zu Ende ist (außer du fragst sie danach) ist eins ihrer Attribute. Sie wacht über die toten Seelen und holt die Seelen der Sterbenden zu sich. Als Wintergöttin sind die Rauhnächte (25.Dezember bis 6.Jänner) ihre Zeit: Da kommt sie von den Bergen herab und sieht nach dem Rechten (sie hat einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn!), wobei sie nicht gerade zimperlich ist: Sie braust mit ihrem Wilden Heer wie ein Sturm durch das Land: Sie bestraft freche und/oder brutale Männer, reißt Zäune und Bäume um, lässt Fenster zerspringen; Betrunkene stößt sie in den Straßengraben oder erschreckt sie zu Tode.

Frauen und Kinder beschützt sie aber. Wenn du Angst hast, dann ruf sie, dann geht sie ein Weilchen mit dir, begleitet dich, beschützt dich. Sie nimmt dir deine Angst und macht dich wild und munter, regt dich zu aufregenden Aktionen an. Die Percht steckt in jeder Frau kleine Lichter an!

Ein weiteres ihrer Attribute - die Spindel - weist sie als alte und mächtige Göttin aus. Die Szene, in der das Mädchen mit der Spindel Wolle spinnt, bis ihre Finger bluten und sie, nachdem sie in ihrer Verzweiflung in den Brunnen springt, die Besinnung verliert, um schließlich die Göttin selbst zu treffen und eine Weile bei ihr zu bleiben und von ihr zu lernen, kommt in europäischen Märchen oft vor, z.B. in "Dornröschen", "Pechmarie & Goldmarie" uvm...

In den Rauhnächten darf nicht gewaschen, gesponnen, gewebt geputzt etc werden, denn als Schutzgöttin der Frauen sorgt sie dafür, dass wir nicht zuviel arbeiten.

Es gab und gibt auch den schönen Brauch, in den Rauhnächten für die Percht und ihrem Gefolge im Freien Speisen in kleinen Schüsseln hinzustellen (z.B eine Schüssel Milch oder Hirsebrei). Sind die Schüsseln am nächsten Tag leer, ist das ein gutes Zeichen, denn Frau Holle gilt auch als Beschützerin von Haus, Hof und seinen Bewohnern. Außerdem speiste sie so in früheren Zeiten die Ärmsten, denn was die Menschen für die Percht und ihr wildes Gefolge vor die Tür stellten, holten die armen Kinder in der Nacht ab. Wer ihren Wohnort, den Hollerstrauch umschneidet, der zieht sich ihren Zorn zu.

Die Percht ist eine Göttin scheinbar voller Gegensätze: Manchmal wird sie als wunderschöne Frau in langen weißen Gewändern beschrieben, und dann wieder als hässliche Alte in zerlumpter Kleidung und mit wirrem, zersaustem Haar dargestellt. Das eine Bild (ganz oben links) weist sie als Wintergöttin aus, zu sehen an der riesigen Schneeflocke. Ihre Jahreszeit ist der Winter - praktisch jede/r in Europa kennt das » Märchen, in dem Frau Holle ihre Betten ausschüttelt und es somit auf der Erde zu schneien beginnt! Sie steht also einerseits für das Helle und Lichte, aber auch für das Dunkle, die Zerstörung, den Tod... Darauf deutet auch ihr anderer Name hin: Hel, Hölle. Sie ist ja auch Göttin der Unterwelt!

Aber vielleicht ist die Unterwelt (oft auch Anderswelt genannt) gar nicht so dunkel und schrecklich, wie uns immer eingeredet wurde. Der Spruch "Fahr zur Hölle!" ist also dann vielleicht gar kein Fluch! Sondern eine gastfreundliche Einladung... :-)

Am Land gab es bis in die 50er Jahre noch die traditionellen Perchtenläufe, die dann einige Zeit nicht sooo modern waren und daher nicht mehr durchgeführt wurden.

Doch immer mehr Orte erkannten und erkennen den touristischen Wert solcher Veranstaltungen und führten die Perchtenläufe zum großen Gaudium der Zuschauer wieder ein. Allerdings dürfen (wahrscheinlich seit der Zeit der Hexenverbrennungen) bei diesen Perchtenläufen nur Männer mitmachen, die sich dabei als Frauen verkleiden: Sie tragen weibliche Masken und eine oder mehrere Kaurimuscheln zieren ihre "Scham"-Gegend. Ich glaube allerdings nicht, dass sie wissen, dass die Kaurimuschel ein altes Symbol für die Vulva ist...

Ganz viel früher tanzten ausschließlich Frauen in den Perchtennächten, lustvoll und wild, mit hohen Sprüngen und lauten Juchzern, und zwar so lange, bis die Percht erschien. Sie zeigte sich meist dadurch, dass sie höher oder weiter springen konnte als die anderen Frauen.

Die Perchten-Tradition ist vielleicht die wichtigste, die wir uns zurückholen sollten !

Geschichten von der Percht und anderen wilden Frauen gibts auf den Seiten der » Feministischen Mädchenschule Virginia Woolf und hier: » Frauensagen

Salige Frauen
Waldfrauen, Bergfrauen, Wildfrauen, Fenggen, Fänggen, Vila, Wila

Die Saligen sind vorwiegend in Österreich heimisch. Sie wohnen in den Bergen, vornehmlich im Alpengebiet. So gilt z.B. die "Frauenhöhle" am Ötscher als Aufenthaltsort der Wilden Frauen. In der Schweiz wohnen sie oberhalb der Blümlisalp, wo die Berge Wyssy Frau (weiße Frau) und Wildi Frau (wilde Frau) heißen.

Es heißt, dass die Saligen Frauen schon lange vor den Menschen da waren, dass sie also die ersten Bewohnerinnen der Alpen sind, die Ureinwohnerinnen gewissermaßen. Die Saligen werden auch Wildfrauen genannt, weil sie wild sind, weil sie sich nicht zivilisieren, zähmen haben lassen, weil sie aus der Zeit stammen vor der Zivilisation. Die Saligen sind die Beschützerinnen des Wildes, vornehmlich der Gemsen. Jäger, die mehr Wild schießen als unbedingt notwendig ist, werden von den Saligen bestraft.

Die Saligen sind freundliche und hilfreiche Frauen. Sie schenken gern etwas und sie bitten auch manchmal um Geschenke, aber sie wollen keinen Dank und vor allem niemals einen Lohn, niemals eine Bezahlung dafür. Sie treiben auch keinen Handel, sie horten keine Schätze, so wie z.B. die Venedigermandln.

Manchmal kommen sie von den Bergen herunter und helfen den Bauern bei der Arbeit. Sie helfen beim Heumachen und manchmal kommen sie in der Nacht, schneiden das Korn und backen Brot. Das Brot, das sie backen, behalten die Saligen auch wieder nicht für sich. Sie schenken es oft einem Wanderer, einem Fuhrmann, einem Bauern. Und dem, der's in Ehren hält, dem bringt es Glück.

Die Wildfrauen wissen auch die Zeit für Anbau und Ernte. Wer ihren Rat, auch wenn er mal seltsam erscheinen mag, beherzigt, der wird vor Schaden bewahrt. In einer Geschichte sagt sie einem Bauern, dass er den Roggen schneiden soll, obwohl das Korn noch ganz grün und unreif ist. Er macht es so, obwohl ihn die anderen Bauern auslachen. Aber dann schneit's und den anderen, die ihn verspottet haben, erfriert das Korn...

Die Saligen darf man niemals nach ihrer Herkunft oder ihrem Namen fragen, denn sonst verschwinden sie sofort. Sie dürfen auch niemals bei ihrem richtigen Namen genannt werden. Denn in alter Zeit hat man Macht über eine Person gewonnen, wenn man den richtigen Namen gewusst hat. Doch die Saligen dulden es nicht, dass jemand Macht über sie hat.

Salige Frauen heißen sie auch, weil sie keinem Mann gehören, sich nicht an einen Mann gebunden haben. Ab und zu mischen sie sich aber doch unters Menschenvolk und lachen sich einen Mann an, manchmal heiraten sie sogar, wobei sie aber immer Bedingungen stellen: Der Mann darf ihr Haar nicht vom Boden aufheben, während sie schläft, er darf sie nicht nach ihrem Namen fragen, er darf auch nicht fragen, wo sie herkommt und vor allem darf er nie ein böses Wort zu ihr sagen, geschweige denn sie schlagen.

Eine Zeit lang geht es gut und alle sind glücklich miteinander. Doch immer enden die Geschichten so, dass der Mann sein Wort nicht halten kann und sein Versprechen bricht, sie z.B. schlägt. Worauf die Salige sofort auf Nimmerwiedersehen verschwindet (das sollten sich viele Menschenfrauen zum Vorbild nehmen!). Manchmal nimmt sie ihre Töchter mit, manchmal lässt sie sie auch zurück und besucht sie heimlich in der Nacht.

Ich kenne übrigens keine einzige Geschichte, in der die Salige auf immer und ewig treu ergeben bei ihrem Mann bleibt...

» Geschichten von wilden Frauen


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